4B11 Motor Ventilspiel Prüfen

  • Der 4B11-Motor ist der 2.0L mit 150-160PS der bis 2019 im ASX verbaut worden ist. Der 4B11-Motor hat zwei oben liegende Nockenwellen und betätigt die Ventile direkt über Tassenstößel.

    Das Ventilspiel sollte alle 100tkm überprüft werden. Das Prüfen ist recht einfach, das Einstellen ungleich aufwändiger.


    Die neuen ASX ab 2020 haben auch einen 2.0L aber nun den 4J11-Motor, der hat nur mehr eine Nockenwelle aber eine komplizierte Prüfmethode und das alle 60tkm.

    Hier ein Vorgeschmack für die 4J11-Fahrer: https://www.vacc.com.au/Portal…alk/2019_04_4661_4676.pdf Prost Mahlzeit.


    Weiter beim 4B11:

    Im Zuge diverser Sparmaßnahmen sind bei sehr vielen Herstellern im Ventiltrieb die Hydrostössel weggefallen und wurden durch einfache Tassenstößel ersetzt. Ich kenne das auch so von Mazda, Volvo, ... Oft wird argumentiert, dass neue Konstruktionen/Fertigungsverfahren dazu führen, dass sich das Ventilspiel im Betrieb nicht mehr ändert.

    Zumindest bekennt Mitsubishi hier Farbe und schreibt an den Motoren nun eine Überprüfung alle 100tkm vor was mir "ehrlicher" vorkommt, als eine "Lifetime"-Einstellung zu verbauen (und damit Wartungskosten zu sparen) um dann einen Zylinderkopfschaden nach 200tkm oder so zu riskieren.

    Man muss ehrlicherweise aber auch sagen, dass sich das Ventilspiel meiner Erfahrung nach, zum einen kaum mehr ändert und wenn, dann nur innerhalb der ersten 100tkm (beim Auto). Ähnlich sieht es mit "modern" (alles ab 2000) Motorrädern aus.


    Bei dem 4B11 ist die Prüfung insgesamt aber recht einfach und für normale Schrauber problemlos machbar. Das Einstelle ist deutlich aufwändiger und nicht Teil dieser Anleitung. Man braucht dazu Spezialwerkzeug oder (alternativ) muss man die Steuerkette frei legen. Dazu muss man den Motor abstützen. Je nachdem wie man das genau macht, auch die Ölwanne runter ect.


    Zeitaufwand: Rund 1,5h

    Werkzeug: Ratschenkiste, Universalzange, Fühlerlehre, Edding, Papier/Bleistift

    Ersatzteile: neue Ventildeckeldichtung, Motorsilikon


    Ventilspiel Einlassseite: 0,20 +- 0,03 mm

    Ventilspiel Auslassseite: 0,30 +- 0,03 mm


    Es gibt verschiedene Fühlerlehren, welche die nur 0.005-Schritte haben und dann welche, die noch Zwischenschritte haben. Mit letzteren kann man dann die krummen Maße von zb. 0,17mm mittels mehrerer Blätter kombinieren, aber meiner Meinung nach, wird das dann nicht deutllich genauer. Für mich tut es hier auch die ganz normale Fühlerlehre in 0,05mm-Schritten.

    https://www.louis.de/katalog/s…rch_term=f%C3%BChlerlehre




    1. Motorhaube auf, die Plastikabdeckung für den Motor und die Zündkerzen ab. Leider verbaut Mitsubishi sehr viel Plastik und das bedeutet, dass man etwas vorsichtiger an die Sache rangehen muss. Vor allem wenn man Schrauben anzieht oder Schläuche abzieht.

    Die beiden Schläuche abziehen und etwas zur Seite binden. Die Zündspulenstecker gehen etwas stramm runter, am besten mit einem kleinen Schraubenzieher leicht die Verriegelung anheben (vorsichtig) und dann abziehen. Zündspulen beschriften (sollten eigentlich alle gleich sein) und abziehen.

    Die Kabel sind im Ventildeckel mit Blechklammern gehalten. Die Blechklammern mit einer Zange packen und abziehen, während man die leicht hin- und her bewegt.





    2. Rechts aufbocken und das Rad vorne rechts abnehmen. Die Motorverkleidung weg und dann sieht man den Kurbelwellenstumpf mit dem Rad für den Keilriemen. Dort können wir dann eine 22er-Nuss ansetzten und den Motor drehen. Bitte nur im Uhrzeigersinn drehen, nie andersrum.



    3. Nun den Ventildeckel abnehmen. Ich lasse die Zündkerzen immer drinnen, man kann den Motor auch so durchdrehen. Wenn der Deckel fest sitzt, dann vorsichtig vorne links im Bereich der Steuerkette den Deckel anhebeln. Aber langsam und mit Gefühl. Normalerweise klebt die Dichtung etwas am Kopf und wenn man ein wenig löst, dann lässt sich der Deckel gut abnehmen. Die alte Dichtung vorsichtig abnehmen und beiseite legen. Nur für den Fall der Fälle, dass die neue Dichtung nicht dicht wird und wir ohne dastehen.





    4. Nun an der Kurbelwelle im Uhrzeigersinn drehen, bis die Steuerzeiten stimmen. Dazu gibt es zwei "Timing Marks" auf den Nockenwellenzahnrädern. Das muss nicht auf den zehntel-Millimeter stimmen :)

    Dann mittels der Fühlerlehre an den je 4 Einlass und je 4 Auslassventilen das Ventilspiel prüfen:

    Bei der Einlassseite nutzte ich erst das 0,25mm-Blatt und dasdarf natürlich nicht passen. Dann das 0,15mm-Blatt und das muss sehr leicht durchgehen bzw. "durchfallen". Eigentlich kann man nun aufhören, das Spiel liegt auf jeden Fall >0.16mm und <0,25mm.

    Man kann nun mal mit dem 0,20mm Blatt schauen, wie das durchgeht. Wenn das so leicht durchgeht (oder durchfällt) wie beim 0,15mm-Blatt, dann liegt das Spiel eher im Bereich von 0,23mm. Wenn das Blatt leicht schleppend und "schmatzend" passt, dann sind es genau 0,20mm und wenn ihr das Blatt grad so mit Gewalt reinwürgen könnt, dann sind es eher so 0,19mm-0,195mm. Geht das Blatt nicht zwischen Nocken und Stößel, ohne es dauerhaft zu verbiegen oder euch zu schneiden, dann liegen wir wahrscheinlich so bei 0,18mm.

    Man kann das tatsächlich gut abschätzen wenn man das mehrmals gemacht hat. Messt auch ruhig jedes Ventil zwei Mal, ich habe mich da auch schon oft vertan, weil das Blatt schwer zwischen Nocke und Stößel ging, dann aber irgendwo anders hing.


    Auf der Auslassseite das Gleiche mit nun 0,30mm Sollmaß.


    Dann die Kurbelwelle um 360 Grad drehen und die anderen 8 Ventile prüfen.


    Ich notier mir das Spiel auf einem Blatt und lege das zu meinen Unterlagen. Zwar glaube ich nicht, dass ich noch mehr als einmal das Spiel prüfen muss, aber es ist ja immer Interessant zu sehen, ob und wie sich was verändert hat. Bei Motorrädern kommt das natürlich deutlich öfter vor. Außerdem würdet ihr es brauchen, wenn man tatsächlich das Spiel einstellen muss.

    Bei mir sind alle Ventile im Limit und deswegen gut für weitere 100tkm. Bei drei Einlassventilen könnte es sein, dass man bei nächsten Mal ran muss.


    5. Steuerkette prüfen:

    Wenn man sowieso den Deckel unten hat, kann man sich gleich noch die Steuerkette anschauen. Wirklich prüfen ist schwer aufgrund der Messmöglichkeit aber man kann es grob abschätzen.

    Die Steuerketten besitzen meist eine zöllische Teilung, hier 1/4" oder 6,35mm. Über 20 Glieder sind das genau 127mm, diese kann man mit einem Messschieber einstellen und mal mittig über die beiden Kettenbolzen "peilen".

    Man sagt, dass Ketten (ganz allgemein) bis rund 1% Längung funktionieren. Fahrradketten ein wenig mehr, bei Steuerketten weniger. 1% wären 128,27mm und wenn ihr die einstellt, dann würde man das deutlich sehen.

    0,5% sind hier realistischer und entsprechen 127,635mm, das kann man eben so versuchen zu "peilen", ist aber schwierig. Ich bin der Meinung, meine Kette mit nun 105tkm liegt deutlich näher an 127mm als an 127,635mm.


    Normalerweise monitored das Steuergerät aber die dadurch verbundene Änderung in den Steuerzeiten und wird dann irgendwann einen Fehlercode ausgeben.




    5. Zusammenbauen:

    Die Dichtfläche auf dem Kopf sauber machen. Eine neue Dichtung in den Ventildeckel einlegen. Ein wenig Silikon auf den Flansch dort wo die Steuerkettenabdeckung an den Block geschraubt ist. So in Höhe der Kette liegt der.

    Nun den Ventildeckel auflegen und darauf achten, dass die Dichtung nicht irgendwo rausgesprungen ist. Am besten mit einem Spiegel einmal überall schauen, auch in den Zündkerzenlöchern. Die 16 Bolzen ansetzten.

    Im Wartungshandbuch steht nun etwas von erst 3Nm und dann weitere 5,5Nm. Mitsubishi verbaut hier Bundschrauben. Sprich der Ventildeckel bekommt die Vorspannung durch die Dichtung und nicht durch das Drehmoment an den Schrauben. Sobald diese Schrauben mit dem Bund auf dem Kopf aufliegen, lassen die sich nicht weiter anziehen. Diese Art von Schrauben haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie dann recht schnell und ohne Vorwarnung abreisen, weil diese Dehnphase beim Anziehen fehlt.

    Ich habe die Schrauben alle über Kreuz so immer eine viertel Umdrehung angezogen, dabei setzt sich die Dichtung immer weiter. So lange bis ein fühlbarer Widerstand beim Anziehen entsteht. Es reicht aus, wenn man die kleine Ratsche mit 2 Fingern bedient, auf keinen Fall einen großen Hebel nutzten.


    Wer keinen so kleinen Drehmomentschlüssel hat, kann es auch so machen, aber wie gesagt, nehmt euch die Zeit und macht das reih um über Kreuz, sonst merkt/fühlt ihr nicht, wenn der Schraubenbund aufsitzt!


    Der Rest sollte dann klar sein, auch hier die Warnung: Die Schrauben im Plastikventildeckel vertragen kaum Drehmoment. Sehr gefühlvoll anziehen.

  • Sehr schöne Anleitung :-) Ich tu mich immer schwer, sowas eine Werkstatt machen zu lassen, kann es aber leider auch nicht selber machen.

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